Die Geschichte hinter unserer Stiftung
Manchmal begegnet man einem Menschen nur für einen kurzen Augenblick – und doch verändert diese Begegnung das eigene Leben.
Vor einigen Jahren lernte ich einen Heranwachsenden kennen, der als Praktikant bei meinem Gärtner arbeitete. Wir kamen ins Gespräch, und schon nach kurzer Zeit wurde mir klar, dass ich einem außergewöhnlich begabten Jugendlichen gegenüberstand.
Er konnte große Zahlen im Kopf addieren, multiplizieren und berechnen – schneller, als viele Menschen einen Taschenrechner bedienen können. Seine Intelligenz, seine Auffassungsgabe und seine natürliche Begabung beeindruckten mich zutiefst. Noch heute erinnere ich mich an das Staunen, das ich damals empfand.
Doch hinter diesem Talent verbarg sich eine traurige Geschichte.
Dieser Jugendliche stammte aus einfachen und schwierigen Verhältnissen. Sein Vater war Handwerker, der seine Abende jedoch häufig in der Kneipe verbrachte. Seine Mutter arbeitete in einer Fabrik und hatte selbst mit den Belastungen des Alltags zu kämpfen. Für einen hochbegabten Jugendlichen bot sein Zuhause offenbar nur wenig Halt, wenig Förderung und wenig Verständnis für seine besonderen Fähigkeiten.
Hinter seiner beeindruckenden Begabung stand ein Heranwachsender, der unglücklich war und sich nach Anerkennung, Unterstützung und einer echten Chance sehnte.
Damals erkannte ich zwar sein außergewöhnliches Talent, doch ich bot ihm keine Hilfe an. Vielleicht fehlte mir der Mut, mich einzumischen. Heute weiß ich nur, dass mich diese Entscheidung bis heute beschäftigt.
Jahre später hörte ich, dass dieser junge Mann die Schule aufgegeben hatte. Seine Familie war zerbrochen, die Orientierung ging verloren, und schließlich geriet er in das Drogenmilieu am Hamburger Hauptbahnhof.
Diese Nachricht traf mich tief.
Immer wieder stellte ich mir dieselbe Frage:
Was wäre aus diesem jungen Menschen geworden, wenn rechtzeitig jemand seine Begabung erkannt und gefördert und ihm geglaubt, ihn begleitet und ihm neue Perspektiven eröffnet hätte?
Vielleicht hätte er eine Ausbildung gemacht.
Vielleicht hätte er studiert.
Vielleicht wäre er Wissenschaftler, Ingenieur, Unternehmer oder Lehrer geworden.
Vielleicht hätte eine einzige helfende Hand genügt, um seinem Leben eine andere Richtung zu geben.
Ich werde die Antwort niemals erfahren, denn ich habe diesen heranwachsenden Jungen nie wiedergesehen.
Was geblieben ist, ist die Erinnerung an sein außergewöhnliches Talent und das Gefühl, dass wir als Gesellschaft zu oft zulassen, dass große Begabungen verloren gehen – nicht weil sie fehlen, sondern weil ihnen die Chancen fehlen.
Aus dieser Begegnung entstand die Idee zu dieser Stiftung.
Wir möchten hochbegabte Kinder und Jugendliche aus sozial benachteiligten Familien finden, fördern und begleiten. Wir möchten ihnen die Möglichkeiten eröffnen, die sie aus eigener Kraft oft nicht erreichen können. Wir möchten ihnen zeigen, dass ihre Herkunft nicht über ihre Zukunft entscheidet.
Begabung braucht Förderung. Sie braucht Ermutigung. Sie braucht Menschen, die hinschauen, zuhören und bereit sind, Verantwortung zu übernehmen.
Diese Stiftung wurde gegründet in Erinnerung an einen Heranwachsenden, dessen Talent ich niemals vergessen werde.
— M. Bader, Gründer